Askese in der Erlebnisgesellschaft?: Eine by Uwe H. Bittlingmayer

By Uwe H. Bittlingmayer

Zentraler Gegenstand der Untersuchung ist die kultursoziologische Auseinandersetzung mit dem Konzept einer "nachhaltigen Entwicklung". Den Fokus bildet der sogenannte Verzichts- bzw. Suffizienz-Ansatz und dessen theoretische Grundlage, eine ökologische Modernisierung spätindustrieller Gesellschaften durch die Implementierung einer "Kultur des Verzichts" erreichen zu können. Aus der kultursoziologischen Perspektive Pierre Bourdieus, die durch eine Auseinandersetzung mit Gerhard Schulzes "Erlebnisgesellschaft" auf "deutsche Verhältnisse" zugeschnitten und gleichzeitig aktualisiert wird, werden am Beispiel des individuellen Mobilitätsverhaltens sozialer Akteure, insbesondere von Car-Sharern, die Grenzen dieses Ansatzes verdeutlicht. Auf diese Weise wird einerseits gezeigt, dass dem Suffizienz-Ansatz ein naives Verständnis von Kultur zugrundeliegt, andererseits, dass ein Nachhaltigkeitskonzept, das systematisch auf materielle Askese setzt, in der "Erlebnisgesellschaft" von den kulturellen Distinktionskämpfen überrollt wird. Das Fazit der Untersuchung, dass erst eine hinreichende Verfügung über Handlungsressourcen, insbesondere über kulturelles Kapital, soziale Akteure von der Pflicht zum Genuss entbindet, hat weitreichende Konsequenzen für das Konzept einer "nachhaltigen Entwicklung".

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Vgl. a. Kagcrmeier 1997) Durch diese funktionale Trennung entsteht eine Art Zwangsmobilitat 39 die besonders auf automobilen lndividualverkehr zugeschnitten worden ist 40 38 Dabei treten bis heute geschlechtsspezifische Unterschiede zu Tage. " (BlohbaumlFelseher-Suhr 1997: 151; vgl. aueh Opaschowski 1999: 101) 39 Dazu gehort aueh das inzwischen weit verbreitete 'Mutter-Taxi', das Kinder von A naeh B bringt, wei I das Sieherheits- bzw. Unfallrisiko, dem Kinder im StraBenverkehr ausgesetzt sind, als zu hoeh eingesehlitzt wird.

45 Die theoretische Entscheidung, die Verkehrsmittelwalll als rationale Walll im Sinne cines Homo Okonomicus zu interpretieren, sieht sich einigen Problemen gegeniiber. Zunachst ist die Operationalisierung von Mobilitatsverhalten als Vcrkehrsmittelwahl zum Arbeitsplatz alles andere als hinreiehend. Selbst wenn die These zutrifft, dafi in diesem Bereich Einstellungen wie das UmweltbewuBtsein keine oder nur eine marginale Rolle spielen sollten, werden damit 75% des iibrigen MobiliUitsverhaltens schlicht nicht erkllirt.

Es handelt sieh bei den scehs Obrigen LeitbiIdern vorwiegend um industriepolitische, kommunalund regionalpolitische und auBenpolitische Regulationsvorschliige, die die Betonung auf die schon diskutierten Effizienz- und Konsistenzstrategien legen. In den von mir gewahlten Leitbildern driickt sich exemplarisch die Vorstellung individuell nachhaltiger Lebensstile aus. VgI. 6. 27 So werden verstiirkt scit der Verabschiedung der sogenannten lokalen Agenda 21 (vgl. AalborgCharta 1996) Umsetzungen einer ,,nachhaltigen Entwicklung" auf regionaler Ebene vorangetrieben.

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