Betriebliche Lebenswelt: Eine Sozialpsychologie by Birgit Volmerg

By Birgit Volmerg

Mane Jahoda Aus zwei engverbundenen Griinden ist dieses Buch ein bedeutsamer Beitrag zu der weitschweifenden und umfangreichen sozialwissenschaftlichen Literatur iiber die Arbeit. Zum ersten ist die Erfassung des Alltagserlebnisses der industri ellen Arbeit im konkreten element kaum je noch in diesem AusmaB versucht wor den. Zum zweiten beruht dieses Buch auf einer weitgehend vernachlassigten Konzeption der Sozialpsychologie, die es versteht, die Abstraktionen moderner Philosophen in empirische Zugangsweisen zu iibersetzen. Das Erlebnis der Arbeit ist situationsbedingt, in der vorliegenden Untersu chung eines GroBbetriebs bedingt durch eine kritische state of affairs, in der techni sche Innovationen und okonomische Faktoren die Sicherheit des Arbeitsplat zes bedrohen. In dieser Hinsicht ist der untersuchte Betrieb nur allzu typisch fiir die gegenwartige Industriearbeit. Dariiber hinaus aber bietet jeder Betrieb natiirlich eine spezielle scenario dar. Das wirft ein challenge auf: Kann guy von dem intensiven Studium der Erlebnisperspektiven in einem Einzelfall allgemei ne SchluBfolgerungen ziehen? Die Rolle des Einzelfalls in der Untersuchung allgemeirier Probleme ist in . vielen Richtungen der modernen Sozialforschung durch die Konzentration auf das scan und die fortschreitende Entwicklung der Methodik von Mas senerhebungen in den Hintergrund gedrangt worden. Urn gewisse Fragen anzu gehen, haben solche weitgehend mechanisierten Untersuchungen natiirlich ihren Platz. Aber es ist unvermeidlich, daB sie an der Oberflache des Erlebens bleiben, in dessen Tiefe Dinge zahlen, die nicht gezahlt werden konnen. Fiir die Frage, die die Autoren dieses Buches sich gestellt haben, sind solche Zugangsweisen ungeeignet.

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Das Bild 'Uom Umgang mit Untergebenen 47 in der Fahigkeit zur Improvisation einen positiven Wert zu erkennen. In dieser Gleichung ware ein zur Improvisation gezwungener Vorgesetzter immer schon in seiner Autoritat und Mannlichkeit bedroht. Il Das Bild der Vorarbeiter und Meister vom Umgang mit ihren Untergebenen 1. ,Von oben her wird iiberhaupt nicht daran gedacht, daB das Menschen sind' Wie man als Vorgesetzter handeln wiirde, wenn ,von oben her' nur die Moglichkeiten dazu gegeben waren, diskutieren die Vorarbeiter und Meister besonders an ihrem Umgang mit den Untergebenen.

Lebt man dann nieht nur, um zu arbeiten, anstatt wie' es sein soUte, zu arbeiten, um zu leben? (linke Bildseite) Wollte man lettteres aber verwirkliehen, ware Konsumverzieht eine Voraussettung. Dann brauchte die Frau zwar nieht mehr mitarbeiten, aber man mUBte sich damit zufrieden geben, anstatt in einem Haus, in einem ZeIt zu wohnen. 38 Erlebnisperspektif)en der Vorgesetzten in der Fertigung l Das Bild der Vorarbeiter und Meister von ihrer Arbeitsaufgabe 1. Ieh kann nieht nur Druck kriegen und unten buttem.

Nils . " (Sem. 2, KB E, 5) Es scheint, als ware mit dem Wort ,aufgebracht' die Bezeichnung gefunden, die den Zustand der nachtlichen Wachheit angemessen beschreibt: Die Aufregung der Sinne und deren Aufruhr gegen die Tyrannei der verselbstandigten Denkprozesse, die immer wieder ,von vorne' die Tagesgeschehnisse reproduzieren. ' Auch den Ausfallen des Schlafs mussen Alternativen angeboten werden: ,Irgendwie mal 'ne Flasche Bier trinken', ,irgendwas anderes' machen, urn Ersatz zu schaffen. Der Schlaf hat eine andere Zeit, das Traumgeschehen kennt keine logisch verketteten Handlungsfolgen, es ist umherschweifend und ziellos, ungeplant, ohne Ordnung - irrational.

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